Eisgrube 14
Der Eingang zur Eisgrube 14. Der Türknauf mit dem Apfelweibla  befindet sich in der Mitte der Türe.








  

Über das Apfelweibchen in Hoffmanns 'Der Goldne Topf' schreibt Rainer Lewandowski, Intendant des ETA HOFFMANN THEATERs:

Vom Pfahlplätzchen aus gehen wir geradeaus weiter in die Judenstrasse. Wir biegen nach rechts ein in die Eisgrube und folgen dem Straßenverlauf. Rechter Hand, etwa in der Mitte der Eisgrube, befindet sich das Haus Eisgrube Nr. 14.
1811 zog Kunz mit seiner Familie, wohl in Zusammenhang mit der Geschäftsverlegung, in die Eisgrube Nr. 14. Das Besondere an diesem Haus war und ist der Türknauf am Eingang. Er zeigt das runde, vorgewölbte Gesicht einer weiblichen Person. Hoffmann hat diesen Türknauf in seiner 1813 in Dresden verfassten Erzählung 'Der goldne Topf' näher beschrieben und dessen Gesicht einer Marktfrau in Dresden ein "altes häßliches Weib", zugeeignet, das am Schwarzen Tor Äpfel verkauft: daher der Name 'Apfelweib'. Diese Frau nimmt in der Erzählung auf das Leben des jungen Menschen Anselmus - im katholischen Heiligenkalender der Namenstag von Julia Marks Geburtstag (18. März) - auf vielerlei geheimnisvolle Weise Einfluß. Unter anderem nimmt sie auch einmal die Gestalt des Türklopfers am Eingang zum Haus des Geheimen Archivarius Lindhurst, den Anselmus aufsucht. Hoffman schreibt im 'Goldnen Topf': "Da stand er und schaute den großen schönen bronzenen Türklopfer an; aber als er auf den letzten, die Luft mit mächtigem Klange durchbebenden Schlag, der Turmuhr an der Kreuzkirche den Türklopfer ergreifen wollte, da verzog sich das metallene Gesicht im ekelhaften Spiel blauglühender Lichtblicke zum grinsenden Lächeln. Ach! es war ja das Äpfelweib vom Schwarzen Tor! Die spitzigen Zähne klapperten in dem schlaffen Maule zusammen, und in dem Klappern schnarrte es: 'Du Narre - Narre - Narre - warte, warte! warum warst du hinausgerannt! Narre!' - Entsetzt taumelte der Student Anselmus zurück, er wollte den Türpfosten ergreifen, aber seine Hand erfaßte die Klingelschnur und zog sie an, da läutete es stärker und stärker in gellenden Mißtönen, und durch das ganze öde Haus rief und spottete der Wiederhall: 'Bald den Fall ins Krystall!' - Den Studenten Anselmus ergriff ein Grausen, das im krampfhaften Fieberfrost durch alle Glieder bebte." An der Tür Eisgrube 14 befindet sich jetzt ein Duplikat des Türknaufs. Das Original wird im Historischen Museum der Stadt Bamberg verwahrt.
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Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Verlages Fränkischer Tag.

Zitat aus:
LEWANDOWSKI, R.: E.T.A. Hoffmanns Bamberg (S. 42/43)
Erschienen bei: Fränkischer Tag, Preis: 17.50 DM bzw. 8.95 -  ISBN 3-928648-22-5