| Edelkastanie |
| Esskastanie - Castanea sativa |

| Mehrere große Bäume zieren den Innenhof der Bamberger Dompropstei. Hier sind eine mächtige Edelkastanie und eine Blutbuche zu sehen. | |
| Standort: Bamberg, Innenhof der Dompropstei (Domstraße 5) |
| Alter des Baumes: |
| Die Dompropstei wurde 1705-1706 durch den Domherrn Franz Friedrich von Greiffenklau-Vollrads als barocke Anlage errichtet; die Gartenanlage wurde 1804 unter Dompropst Josef Georg Freiherr Hutten von Stolzenberg im landschaftlichen Stil umgestaltet; es ist zu vermuten, dass damals der Baum gepflanzt wurde. |
| Merkmale: |
| Blätter länglich-lanzettlich, stachelspitz gezähnt, leicht lederartig, oberseits glänzend | ||
| Stamm meist kurzschaftig, besonders bei Solitärbäumen | ||
| breit ausladende Krone | ||
| männliche Blüten in bis zu 20 cm langen Kätzchen, weibliche Blüten einzeln am Grunde der männlichen Blüten | ||
| Frucht = Kastanie: dunkelbraun, glatt, einsamig, am Scheitel anliegend seidenhaarig, anfangs von einem vierklappigen, sehr stacheligen Fruchtbecher eingeschlossen; meist zwei Kastanien pro Fruchtbecher | ||
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| Zweig der Esskastanie. Die Verwandtschaft mit der Buche ist deutlich zu erkennen: Die stacheligen Früchte erinnern zwar an Rosskastanien, sind aber wie Bucheckern gebaut. Die braunen "Würste" sind Reste der männlichen Blütenstände ("Kätzchen"). | |
| Natürliches Vorkommen: |
| Mittelmeerraum, hier in der Zone unterhalb der Buchenwälder | ||
| Südalpen, Nordafrika, Anatolien (Schluchtwälder) | ||
| Deutschland: ausgedehnte Bestände am Westhang von Schwarzwald, Spessart und Odenwald | ||
| Es ist nicht klar, ob die Esskastanie in Deutschland ursprünglich heimisch ist oder erst durch die Römer eingeführt wurde. Jedenfalls stammen die ältesten Pollenfunde aus der Römerzeit. |
| Standortansprüche: |
| Die Kastanie liebt ähnlich wie die Buche eine hohe Luftfeuchtigkeit und einen tiefgründigen Boden mit guter Wasserversorgung, beansprucht aber insgesamt ein milderes Klima mit einem Schutz vor Spät- und Winterfrösten. |
| Höchstalter: bei uns kaum mehr als 200 Jahre, im Süden deutlich über 500 Jahre. |
| Blüten: |
| Die Blüten sind trotz der Kätzchenform bzw. des unauffälligen Aussehens insektenblütig. 60 % der Blütenbesucher sind Käfer. Die Lockwirkung der männlichen Blüten wird durch reichliche Nektarabsonderung, die weißen Blütenhüllen und den für menschliche Nasen nicht ganz angenehmen, für Käfer jedoch unwiderstehlichen Duft nach Trimethylamin (Fischgeruch) hervorgerufen. |
| Fruchtreife: Oktober |
| Name: |
| Die Kastanie heißt griechisch kástanon nach der thessalischen Stadt Kastanis, wo der Baum schon im Altertum häufig wuchs. - In Gebieten, in denen die Ess- oder Edelkastanie nicht wächst, versteht man unter Kastanie die Rosskastanie. |
| Verwendung: |
| außergewöhnlich dauerhaftes Holz: Verwendung als Fassdauben und Schiffsbauholz | ||
| stärkereiche, wohlschmeckende Früchte, die früher in Italien Grundnahrungsmittel waren; Verarbeitung: | ||
| a) Rösten in einer durchlöcherten Pfanne: Man erhält die Maroni. | |
| b) Kochen in Wasser | |
| c) Dämpfen im Backofen | |
| d) Mahlen zu Mehl: Verarbeitung zu einem dicken Brei, der Kastanienpolenta | |
| e) Kaffeeersatz | |
| Viehfutter | ||
| Folia Castaneae: Kastanienblätter werden als Expektorans (Mittel zur Abhustung) eingesetzt. | ||
| Die Samenschalen sind gerbstoffhaltig und wirken gegen Durchfall. | ||
| Geschichte: |
| Plinius berichtet von der Nutzung des Holzes als Rebpfähle. | ||
| Hildegard von Bingen (1098-1179) empfiehlt einen Trank aus Blättern und Rinde gegen die Viehseuche schelmo (Rinderpest). | ||
| Besonderheiten: |
| Die Esskastanie in der Dompropstei hat einen Umfang von etwa 5 m. Zum Vergleich: Am Ätna gibt es Esskastanien mit einem Umfang von über 20 m, der in 5 Stämme geteilte Castagno de cento cavalli hat sogar einen Umfang von über 60 m! | ||
| Vor dem Rösten von Maroni muss man die Samenschale mit einem Messer etwas aufschneiden, weil die Kastanien sonst in der Hitze regelrecht explodieren können! | ||
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